Eine mögliche Definition für Trauma – hier in einer Sprache auch für Kinder und Jugendliche – ist:

„Ein Trauma ist ein einschneidendes emotionales Erlebnis in der Vergangenheit, für das ich nichts kann. Dieses Erlebnis ist ein Teil von mir. Es ist wie ein schwerer Rucksack, den ich mit mir herumtrage und der etwas mit mir macht.“

Die Selbstempathie oder das empathische (Selbst-)Coaching
Eine Selbsteinfühlung hat eine erleichternde und klärende Wirkung in allen Situationen, in denen Gefühle sich zeigen.
Dies ist so, weil die Gefühle Informationen für uns bereit halten. Werden diese nicht wahrgenommen, speichert das Unterbewusstsein die Gefühle für uns – verbunden mit Bildern oder Erinnerungen auch anderer Sinneseindrücke. Sprache oder Worte werden seltener gespeichert.

Daher gilt es, die Gefühle zu „erleben“ und damit ihren Lernwert an das Bewusstsein weiterzugeben und sie damit zu integrieren, also zu verinnerlichen. Dadurch wissen wir mehr über uns und darüber, wie wir uns in kommenden Situationen in unserem Sinne angemessen verhalten können.

Das empathische (Selbst-)Coaching stellt somit auch einen hilfreichen und wirksamen Zugang zu Traumata und deren Verarbeitung dar:
Der Fokus eines Coachings liegt bei mir darin, zunächst eine Vertrauensbasis in diese Herangehensweise zu ermöglichen: Die Klienten lernen die Selbstempathie (darin die Selbstreflexion) an persönlichen Beispielen kennen. Diese sind ggf. sogar schon Teil des Traumas. Daran orientiert sich das Unterbewusstsein (die Intuition) des Klienten.
Wenn Offenheit und ein Vertrauen in die Unterstützung durch den Coach bestehen, wird der Prozess, gesteuert durch das Unterbewusstsein, immer so viel an extremen Gefühlen zur Integration bereitstellen, wie der entsprechende Mensch verarbeiten, und also auch „verkraften“ kann. Die Ressource „Kraft“ ist hier entscheidend. Es ist vermutlich also ein Prozess in Etappen.

Die biologische Sicht auf ein Trauma
Die Grundlage für meine Haltung gegenüber Traumata sind die Beobachtungen an mir selber, meinen Klienten und den Teilnehmenden in Workshops. Zusammen mit meinem Verständnis als Biologe hat sich in den letzten Jahren daraus die Haltung entwickelt, dass Gefühle unsere Orientierungsgeber sind. Und zwar die entscheidenden.

Das Unterbewusstsein speichert, wie oben erwähnt, alles, was wir erlebt haben und was nicht angemessen emotional von uns selber verarbeitet wurde: angenehme und unangenehme Erlebnisse.
Anders als die Erinnerungen im Langzeitgedächtnis kommen diese noch nicht integrierten „Gefühls-Erlebnisse“ dann im Alltag immer mal wieder: Z. B. in Form von Erinnerungsbildern oder eine Gefühlsmischung zeigt sich ganz unvermittelt, scheinbar einfach so. Dies kann auch durch Geschehnisse in der Umwelt ausgelöst werden. Es ist jedoch „nicht einfach so“, sondern Ereignisse bringen „alte“ Saiten in uns zum Schwingen, die durch die Gefühle im Zusammenhang stehen. Vermutlich weil es um vergleichbare Bedürfnisse oder Aspekte des Lebens geht, die in der Vergangenheit schon mal besonders unerfüllt blieben oder auch besonders erfüllt waren.

Wir haben als Menschen die Fähigkeit, Erlebnisse zu „verschmerzen“. Vermutlich bleiben „Reste“, wenn das Erlebnis schwer zu verarbeiten ist, aber dass Gefühle (als Blockaden oder Hemmungen) dem Menschen das Leben fast unmöglich machen, wäre sicherlich in der Evolution nicht überlebensfähig gewesen und somit verschwunden.

Deshalb glaube ich, dass es mit traumatischen Erlebnissen nicht anders ist: Traumatische Erlebnisse waren immer auch Teil des menschlichen (und tierischen) Lebens z. B. als Todesfälle oder Verluste, die dramatisch in das Leben eines Menschen einwirkten. Auch für uns als gewaltvoll erlebte Situationen passierten in der Natur ständig.
Daher haben alle fühlenden Lebewesen Mechanismen in der Evolution entwickelt, um auch extreme Gefühlsintensitäten zu integrieren und z. B. ohne Blockaden, Lähmungen oder Hemmungen weiterleben zu können. Dies zeigt sich in der Selbstempathie in Form der Selbstberuhigung und der Selbsterklärung – mit den Auswirkungen auf das persönliche Handeln für die Zukunft.

Was passiert bei einem Trauma?
Weshalb sind also dann so viele traumatisierte Menschen blockiert oder erleben sich als „wie aus dem Leben“ genommen?
In der traumatischen Situation selber ist es angemessen, intensive und extreme starke Gefühle zunächst nicht zu fühlen, sondern auszublenden, falls man nicht entsprechend reagieren kann. Als Beispiel: Panik und Lähmung folgen aufeinander, wenn die Situation „ausweglos“ erscheint: Sich „tot zu stellen“, ist eventuell hilfreich, um „Schlimmeres“ zu verhindern. Verhalten folgt daher eher Reflexen als erlernten oder erprobten Verhaltensweisen.

Im Anschluss an das traumatische Erlebnis erscheinen aus meiner Sicht die Flashbacks dann wie Angebote des Unterbewusstseins zu sein, die Gefühle zu durchleben und damit den Lernwert zu verinnerlichen. Denn natürlich lernen wir aus den Gefühlen, die in extremen oder traumatischen Situationen auftauchen, ebenfalls vieles über uns und das Leben selber – so unangenehm es sich auch anfühlen wird. Mindestens setzt der natürliche Mechanismus der Selbstberuhigung ein, der immer dann hilft, wenn Gefühle „aktiv“ wahrgenommen werden (s. o. Integration).

Das Problem des modernen Menschen
Allerdings haben wir Menschen das Fühlen und den Umgang mit Gefühlen verlernt: Wir sind weitaus mehr mit dem Denken beschäftigt, als mit dem Fühlen und ggf. verschmerzen. Die Gedanken, die sich auf die Gefühle „setzen“ und diese in Form von Bewertungen noch aufschaukeln können, sind nicht hilfreich. So bleiben wir stecken und können den biologischen Verarbeitungs­mechanismus nicht nutzen, der uns in maximal möglicher Weise helfen soll.

Eine Dissoziation (Abspaltung von Teilen des persönlichen Erlebens oder Aufspaltung der Persönlichkeit in einzelne Teile) ist daher eher auf der Grundlage der abwehrenden Gedanken entstanden:<br/ Es sind gefühlsmäßige (emotionale) Spannungsfelder im Menschen während und direkt nach dem traumatischen Erlebnis entstanden. Viele der Gefühle erscheinen dem Bewusstsein, also dem Verstandes-bezogenen Denken, widersprüchlich und manche sind sogar unannehmbar. Im Unterbewusstsein dagegen gibt es keine Bewertungen der Gefühle: Die scheinbar widersprüchlichen liefern lediglich ein Bild, das nicht einfach „schwarz-weiß“ ist, sondern sehr komplex und an vielen Stellen einfach „unglaublich“: Die Situation stimmt überhaupt nicht mit dem bisherigen Lebenserfahrungen überein und ist zudem „gefährlich“.
Dies gilt besonders für das emotionale Abbild einer Missbrauchssituation im frühen Leben.

Gewaltvolle Übergriffe sind sicherlich auch in der ältesten Frühgeschichte des Menschen passiert und damit auch evolutiv in Verarbeitungsmechanismen abgebildet. Übergriffe gegenüber Kleinkindern oder sogar Säuglingen in Form von komplexen Traumata (also wiederholte Übergriffe) sind vermutlich jedoch ein schreckliches Phänomen des entwurzelten modernen Menschen, der Missbrauchs-Erlebnisse einer Generation in die kommende trägt.

So entsetzlich dies auch ist, die grundsätzliche Möglichkeit, eigenes Erleben zu integrieren und möglichst geringe „emotionale Narben“ zu behalten, ist aus meiner Erfahrung und Schlussfolgerung aber möglich durch das emotionale Durchleben und ggf. Reflektieren der damaligen Situation.

Traumata aus dem Kleinstkind-Alter könnten wegen der oben vermuteten Sonderstellung eine besondere Herausforderung für die Betroffenen darstellen. Ich persönlich bin jedoch zuversichtlich und setzte auf den lebensbejahenden Überlebenswillen, der jedem Lebewesen angeboren ist und der ein Potenzial freisetzt, sodass selbst Kleinstkinder-Traumata verarbeitet werden können..

Dies könnte auch die Kette der Missbrauchshandlungen durchbrechen.

 

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